Kandiszucker – süßer Diamant

Zuckerkristalle, welche aus einer konzentrierten Zuckerlösung nach einem Zeitraum von mehreren Tagen auskristallisieren, werden als Kandiszucker bezeichnet. Das Wort kommt ursprünglich aus Persien. Über Arabien und Italien wurde es in den deutschen Sprachschatz aufgenommen.

Kandiszucker hatte bei den Arabern Tradition

Die Herstellungsweise des Kandiszuckers war auf der arabischen Halbinsel bereits im 9. Jahrhundert bekannt. Ärzte wandten den Kandis um das Jahr 1000 herum in Ägypten, Persien und anderen arabischen Ländern unter anderem als Augenheilmittel an. Er wurde noch um 1850 oft im eigenen Haushalt erzeugt. In alten Rezeptbüchern sind dafür viele Anleitungen zu finden, die heute in traditionsorientierten Haushalten zum Teil wieder nachgekocht werden. Die eigenze Kandiserzeugung erfordert jedoch viel Erfahrung und nimmt einige Zeit in Anspruch. Eine besonders große Bedeutung hat der Kandis in der Teekultur Ostfrieslands. Eine echte friesische Teestunde ohne Kandis ist undenkbar.

Zahlreiche verschiedene Sorten

Aus der konzentrierten Zuckerlösung werden verschiedene Sorten von Kandiszucker auskristallisiert. Der Fadenkandis ist dabei eine der hochwertigsten. Zu seiner Herstellung werden in den Kristallisationstiegeln Fäden gespannt, an denen in mehreren Wochen die Kandisstangen wachsen. Dazu ist eine lange Erfahrung in der Kandisherstellung nötig. Weitere Sorten sind Stangenkandis, Krustenkandis oder Krümelkandis. In Ostfriesland ist vor allem der Kluntjes bekannt. Das ist ein großer Würfelkandis.

Sogar bei Bieren eine verbreitete Zutat

In Deutschland verbrauchen die Ostfriesen viel Kandiszucker bei ihren Teestunden. Diese werden auch für Touristen veranstaltet. Krümelkandis und Kandisafarin sind verbreitete Backzutaten. Besonders zu Keks- und Kuchenrezepten finden sie Verwendung. Verschiedene belgische Biere werden mit Kandis gebraut, dieser wird ihnen vor der Vergärung zugesetzt. In den USA ist der Kandis als Süßigkeit bekannt. Er wird bunt eingefärbt und am Stiel verkauft.

Eine Teestunde mit Stil

Kandiszucker ist ein Lebensmittel, das vor allem Genusswert hat. Die Ostfriesen verwenden ihn daher zu ihren Teezeremonien. Ältere Ostfriesen schätzen die Zeremonie als Ruhepol. Mit Kandis erhalten Getränke eine andere Süße als mit normalem Haushaltszucker.

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